Neue Golfregeln, warum?

Beim ersten Blick auf die neuen Golfregeln 2019, dessen vergleichbarer Umfang an Änderungen schon 86 Jahre zurückliegen, kam spontan erst einmal der Gedanke: Wer um Himmelswillen hat das gebraucht?

Doch bereits bei kurzer Recherche wurde klar. Die offensichlich weitsichtigen Regelverbände haben es bereits 2012 erkannt. Es müssen gewaltige Veränderungen her, sonst geht es dem Golfsport ernsthaft an den Kragen. In 2012 starteten sie die Initiative zur Regelmodernisierung, um den aktuellen Bedürfnissen des Spiels weltweit gerecht zu werden.

Man kann sich eigentlich nur vor den Verantwortlichen aus St. Andrews und den USA verneigen, wenn man den Hintergrund genauer kennt. Aber genau dies macht auch betroffen. Warum waren und sind wir in Deutschland größtenteils so wenig im Thema?

Ja, schon die sehr beherzte Initiative "Brown is the new Green" der USGA, die anlässlich den US Open 2014 und 2015 sehr viel Aufregung gebracht hat, ist an uns in Deutschland fast unbemerkt vorbei gegangen. So wundert es auch nicht, dass das Augusta National Syndrom bei uns so gut wie unbekannt ist.

Hätte man die Informationen vom DGV am 1. März 2017 zur Modernisierung der Golfregeln sorgsam gelesen, dann wären die Ziele der USGA und R&A doch sicher noch präsenter. "Das besondere Ziel der Modernisierung der Regeln ist, dass den übergeordneten Anliegen im Spiel Rechnung zu tragen ist. Spieltempo und Umweltschutz!"

Spieltempo ist klar. Golfrunden die lange dauern und von Warten, Ungeduld und Fehlschlägen durch Drängeln geprägt sind, sind wahrlich keine Werbung für den Golfsport.

Aber was ist mit dem Zweiten übergeordneten Anliegen zu den neuen Regeln, dem Umweltschutz?
Liest man hierzu die weltweiten Berichte zum Greening of Golf, dann wird die Problematik Golf und Umweltschutz schmerzhaft deutlich.
Die Anzahl der Golfplätze ist weltweit gewaltig geworden. Dazu eine stetige Erderwärmung und ein nach wie vor massives Augusta National Syndrom, was teilweise ein kaum bezahlbaren, aber vor allem unverantwortlichen Wasserverbrauch mit sich bringt.

Was bedeuten nun diese Erkenntnisse für die neuen Golfregeln?
Ja, der Golfsport hatte es dringen gebraucht, dass das Spiel schneller und stressfreier wird und das vor allem mehr biotopartige Flächen entstehen.
R&A und USGA haben hierzu drei neue Regeln eingeführt, die eine ideale Umsetzung der besonderen Ziele Spieltempo und Umweltschutz ermöglichen. Penalty Areas, Spielverbotszonen und Verhaltensvorschriften.
Besonders sinnvoll ist zudem die klare Formulierung, das physische Merkmale als Kennzeichnung der Grenzen ausreichen. Wer möchte schon einen Golfplatz mit 1000 bunten Regelpfosten?

 

Haben also der Vorsitzende des Rules of Golf Committee R&A Rules Limited David Bonsall und der Vorsitzende Rules of Golf Committee United States Golf Association Mark Reinemann in Ihrem Vorwort zu den neuen Golfregeln 2019 recht?: "We believe golfers will find the modernized Rules ... more aligned with issues facing the game such as improved pace of play and environmental stewardship."

Unsere Antwort von Golf in One: Ja, wenn die Golfanlagen die übertragende Eigenverantwortung nutzen und die neuen Golfregeln 2019 verstärkt anwenden.

 

Anmerkung: Die Golfanlage Gut Bergkramerhof hat bisher als einzige Golfanlage in Deutschland, die neuen Golfregeln 2019 bezüglich Spieltempo und Umweltschutz vollständig umgesetzt.


Golf in One freut sich auf Kommentare und Anregungen der Golfentscheider.